Praxis Dr. med. dent. Christian Imling

Gefahr für Kinderzähne

Gefahr für Kinderzähne: Zuckerhaltige Getränke in Nuckelflaschen bergen hohes Risiko

(rz, Marburg) Trotz eines allgemeinen Kariesrückgangs ist die Rate an unversorgten Milchzähnen in Deutschland nach wie vor erschreckend hoch. Wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass mehr als 25 Prozent aller Dreijährigen unter frühkindlicher Karies leiden. Und oft kommen die Kinder erst dann zu einem Kinderzahnarzt, wenn auch die Eltern anhand der zusammenbrechenden Frontzähne die Karies erkennen. „Jedes Jahr werden uns über 700 neue Patienten vorgestellt, knapp die Hälfte leidet an frühkindlicher Karies. Bei 75 Prozent dieser Kinder sind schon so viele Zähen kariös, dass wir sie aufgrund des geringen Alters nur noch unter Narkose behandeln können“, berichtet Professor Norbert Krämer, Leiter der Abteilung Kinderzahnheilkunde des Universitätsklinikums der Universität Dresden und Fortbildungsreferent der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde.


Hauptursache der frühkindlichen Karies ist der häufige Konsum zuckerhaltiger Getränke aus Nuckelflaschen oder Trink-Lerntassen nach dem 1. Geburtstag. Zucker gilt als entscheidender Auslöser von Karies. Er ist idealer Energielieferant für die im Mund vorhandenen über 500 Bakterienarten. Etwa 30 bis 50 davon können Zahnfäule auslösen, indem sie den Zucker in Säure umwandeln, die dem Zahnschmelz wichtige Mineralien entzieht.
„Kleinkinder, die sehr oft über den Tag verteilt und vor allem in der Nacht zuckerhaltige Getränke aus der Nuckelflasche trinken, umspülen damit permanent ihre Zähne“, erklärt Professor Krämer. Deshalb sollten Kinder nicht regelmäßig aus Flaschen oder Lerntassen trinken – weder solchen mit Nuckel noch mit Trinkhilfen, wie sie auch bei Fahrradflaschen üblich sind.Frühkindliche Karies kann auch zu schwerwiegenden Entwicklungsstörungen führen: „Unbehandelt kann die Erkrankung Zahnfehlstellungen verursachen und die Kieferentwicklung beeinflussen. Dies wiederum kann Auswirkungen auf das Ernährungsverhalten und die Sprachentwicklung des Kindes haben“, warnt Krämer.Vermeiden lässt sich die frühkindliche Karies am besten durch den Verzicht auf gesüßte Getränke aus diesen Trinkgefäßen. Dazu zählen auch Fruchtsäfte. „Naturbelassener Apfelsaft beispielsweise enthält ebenfalls Fruchtzucker. Dieser Anteil bleibt auch noch in verdünnter Form bei mehreren Prozenten“, so der Kinderzahnarzt. Empfehlenswert sind dagegen etwa kohlensäurefreie Mineralwässer oder Kräutertees. Nuckelflaschen sollten nur zum kurzzeitigen Trinken gegeben werden. Ab dem ersten Geburtstag sollten dem Kind Getränke im Becher oder in der Tasse ohne Trinkhilfen angeboten werden.Wichtig ist außerdem eine regelmäßige Zahnpflege: Ab dem Durchbruch der ersten Milchzähne können die Zähne bereits einmal täglich mit einer weichen Kinderzahnbürste und einer erbsengroßen Menge Kinderzahncrème gereinigt werden, etwa ab dem zweiten Lebensjahr zweimal täglich. Der Fluoridgehalt der Zahncrème kann gegebenenfalls mit dem Kinderzahnarzt abgesprochen werden. Durch das Vorbild und die Anleitung der Eltern lernen Kinder frühzeitig die tägliche Mundhygiene. Kreisende Bewegungen sind zur Reinigung der Zahnflächen bei Kindern besonders gut geeignet. Für Kinder ab drei Jahren eignen sich auch spezielle elektrische Kinderzahnbürsten mit oszillierend-rotierender Putztechnik, die schonend und effektiv reinigen. „Eltern müssen das Zähnputzen ihrer Kinder auf jeden Fall überwachen und bis zum Grundschulalter die Zähne nachputzen – vor allem die Backenzähne und den Bereich der Zahnzwischenräume“, betont Professor Krämer. Auch ein erster Zahnarztbesuch vor dem ersten Geburtstag, der auch zur Beratung der Eltern dient, ist sinnvoll.Eine individuelle Beratung geben der Zahnarzt und sein Team.Quelle: Rundum Zahngesund


 
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